Schererschnitte mit Tino Scherer

Aus dem Nähkästchen und der Teilnahme am perspactive.com Abschlussweekend.
Samsung-Perspectives Saison Weekend LAAX
Hy Tino, was machst du gerade ausser mit mir telefonieren?

Hy, Feierabend geniessen und wie immer Bilder meiner Freitage bearbeiten.

Warum photographierst du nur Freitags?

Was?

Ja hast du ja gesagt...

(Lacht) Nein, ich sagte Frei-Tage, nicht Freitage.

Ahh, so war das. Ne also, jetzt mal seriös. Du hast das Samsung Perspectives-Weekend mit Profiphotograph Gian-Paul Lozza in Laax gewonnen, erzähl mal wie ist es dazu gekommen?

Auf Facebook habe ich von der Samsung Perspectives Challenge über Instagram erfahren. Da ich nicht sofort wusste was Perspectives war, beschaffte ich mir die Infos direkt auf der Seite, wo ich dann auch auf die bereits eingesendeten Bilder stiess. Da noch kein geblitztes Bild vorhanden war, entschloss ich mich nach kurzer Archivrecherche, mein Bild von Christian Bieri, das ich im Mythenpark geschossen habe, zu veröffentlichen.

Wenig später habe ich von Perspectives eine Nachricht auf Instagram erhalten, dass ich die Challange und damit ein Weekend in Laax gewonnen habe, worüber ich mich sehr freute. Die weiteren Infos kamen dann per Mail.

Von was konntest du am meisten profitieren? Welchen absoluten Geheimphoto-Tipp hat dir Lozza verraten?

Schwierig zu sagen, sicher aber habe ich gelernt, nach welchen Kriterien bei Actionsportarten ein Shot aufgeteilt werden sollte, damit es nach einem professionellen und nicht amateurhaften Bild aussieht

Kaspar mit Hösli (Perspectives/LAAX/TSP)
Was wären diese Kriterien?

Ja beispielsweise, dass jedes Bild in Linien aufgebaut ist, und man möglichst vermeiden sollte, dass diese Linien unterbrochen werden. Konkret, dass der Kicker durch die Bergkette geht o.Ä. was vor allem durch eine geschickte Standortwahl des Photographen vermieden werden kann.

Interessant..., wie hast du das ganze Wochenende so erlebt?

Da das Programm sehr intensiv war und wir alle, von Snowboardern über Photographen und Filmer, gefordert wurden, war es in erster Linie anstrengend, aber auch interessant. Zum Beispiel vermochte mir Gian Simmen mit seinem Vortrag über Social Media neues zu vermitteln.

Kleiner Gian, grosse Pipe (Perspectives/LAAX/TSP)
Was erzählte Gian über SMedia?

Dass egal wie gut der Sportler (Photograph) ist, er immer ein Profil auf Facebook (Beispiel Plattform) haben sollte. User können ihm so folgen, ohne dass er Kontakte direkt pflegen muss. Durch einfache Up-Dates kann man die Leute so bei Stange halten und dies ohne riesigen Aufwand. Idealerweise kommen dann auch noch Profile auf Instagram, Twitter, etc. dazu, die dann noch jene abholen, die kein Facebook haben. So wiederum können mehr Leute erreicht werden, wodurch auch mehr Traffic generiert wird, auf Facebook unter anderem auch in Likes gemessen. So was halt.

Mit Tino Scherer Photography (Behind the Scenes und Game Over) bist du ja auch schon länger im Schnee unterwegs, wieso hast du dich für diesen Bereich entschieden und nicht auf haute-Couture oder Erotik-Photographie spezialisiert?

Das Erotik-Buisness werde ich wohl erst in älteren Jahren mit meinen Bildern beglücken. (Lacht)

Ehm, Schnee halt, weil ich selber in einem Skigebiet gross wurde und so viele Stunden am Berg und in der Natur verbracht habe, genauer in Meiringen-Hasliberg. Damals schon vermochten mich die Bilder von G-P. Lozza, Thomas Stöckli und David Birri zu inspirieren und nicht selten habe ich mir diese immer und immer wieder angeschaut. Als ich mir dann das Hüftgelenk bei Skifahren ausgekugelt hatte, mochte ich nicht einfach zuhause rumzusitzen. Ich kann mich noch erinnern, dass Urs von Ah, mich auf den Schultern in den Mythenpark brachte. (Von wo aus ist uns nicht bekannt, aber der Urs muss ein richtiger Sattelschlepper sein). Dadurch hat bei mir das Schneephotographieren im Winter 07/08 richtig begonnen.
Seit den letzten beiden Jahren bin ich an eigenen Projekten, aber auch im Auftrag von einigen Marken und Skigebieten unterwegs. Dass wir in der Schweiz so viele wunderschöne Landschaften und Orte haben, wo sich gute Spots finden lassen, sorgt dafür dass es immer interessant bleibt.

Um noch auf die Laufsteg-Modell-Geschichte zurückzukommen, die ist mir zu lahm, ich präferiere schnelle Bewegungen und Action.

Mit heissen Stühlen hast du ja auch noch was am Hut, und damit meine ich nicht deinen Metallfetisch sondern die Sommerfotos die nicht im Schnee entstehen. Erzähl mal.

Ein anderer Teil von meinen Kollegen mit denen ich aufgewachsen bin, ist extrem Motorsportbegeistert. Auch hier finde ich die schnellen Bewegungen und die Action die mir so gefallen. Weil ich nicht nur 365 Tage im Schnee sein wollte, auch den Sommer liebe und wir von der Schweiz aus schnell auf einer geilen Motocross-Strecke meist in Italien sind, halte ich auch hier das Geschehen gerne in Bildern fest.

Im Gegensatz zum Winter lässt sich hier vieles einfacher umsetzen, denn das ganze Equipment muss nicht Kilometerweit auf den Berg geschleppt werden, sondern kann gemütlich auch mal aus dem 100-Meter entfernten Auto geholt werden. Dadurch kann ich flexibler reagieren, mehr und neue Techniken ausprobieren, was wiederum ein ideales Training für den kommenden Winter darstellt.

Wie im Schnee ist es auch hier eine grosse Familie, die einander motiviert und letztlich auch mich.

Pimp my Ride Michi Burch (TSP)
Was für einen Reiz hat für dich das Photographieren?

Ganz ehrlich habe auch ich einen Adrenalin-Kick, wenn ein Fahrer etwas reinstellt. Mich flasht, wenn der Athlet motiviert ist, das Licht und die Stimmung gut sind. Wenn dann alles noch so umgesetzt werden kann wie ich mir vorgestellt habe, ist das für mich das Grösste. Auch motiviert mich jeden Tag aufs Neue wieder andere Bilder zu schiessen als am Tag zuvor.

Tönt nach perfektem Tag, ist das denn immer so?

Nein, eher selten. Auch kommt es häufig vor, dass man am Berg noch das Gefühl hatte einen Shot im Kasten zu haben, dann zuhause aber merkt, dass der gar nicht so Toll war wie man ein paar Stunden vorher noch dachte. Das bringt mich aber auch vorwärts, weil ich dann genau analysiere was ich beim nächsten Versuch besser, oder auch anders machen könnte.

Was gibt dir das Knipsen menschlich?

(…Überlegt eine Weile…vielleicht ist er schon mehr Kamera wie Mensch?) Ist schwierig zu sagen, aber der Kontakt mit den ganzen Schnee und Motocross Zirkusartisten, finde ich cool. Mit den Jungs und Mädels jeden Tag da raus zu gehen und etwas neues Unerwartetes zu erleben oder einfach auch nur Spass zu haben, befriedigt mich. Menschlich profitiere ich sicher von diesem Umgang mit den Leuten, von der Kommunikation und der Verständigung vor, während und nach einem Shooting, wobei ich versuche zu jeder Person eine eigene Beziehung aufzubauen. So ist es und wird es meist sehr familiär, wobei ich eine Beziehung zu den Fahrern die auf Vertrauen basiert äusserst schätze.

Advent, Advent ein Lichtlein brennt Joel Vogler (TSP)
Was findest du selber an deinen Bildern speziell?

Ich versuche der Action durch meine Bilder eine andere Perspektive zu geben. Die Actionbilder haben also meine eigene Note. Klar dass dies nicht von heute auf Morgen geht, und sicher noch lange, oder nie vollendet ist. Das ich versuche mein eigenes Ding zu machen, läuft bis jetzt ganz gut.

Was ist denn deine Note?

Meine Note ist, dass ich gerne über die Landschaft zeige, wo ich mich befinde. Ich baue gerne mit den Gegebenheiten Bilder, damit man weiss wo diese entstanden sind. Manchmal geht das natürlich nicht, aber ich versuche an jedem Spot mindestens eine Perspektive zu finden, wo man erkennt, wo das Bild gemacht wurde.

Das wäre dann so eine Serie von Samuel Amstutz (TSP)
Wievielmal drückst du gefühlt auf den Auslöser wenn du die Kamera dabei hast?

(Lacht) Viel, denn ich habe auch eine schnelle Kamera. Das heisst allerdings nicht, dass damit die besseren Bilder entstehen. Oft ist es so, dass ich am Tag über 700 Bilder schiesse, eben auch weil mit meiner Kamera 12 in der Sekunde gemacht werden können. Mit einer anderen, langsameren Kamera komme ich dann mit ca. 60 Bildern nach Hause, weiss aber, dass ich sicher 15-20 davon gebrauchen kann. Bei 700 sind es dann vielleicht 40, aber ich bin kritisch was das anbelangt, denn in diesen 40 befindet sich eine Sequenz die gut ist, und damit sind schon 10 Bilder mal weg.

Wenn du über die letzten Jahre ein Ereignis herauspicken müsstest, welches zu einem deiner Lieblings-Shots geführt hat, welches wäre es und wie ist es zustande gekommen?

Da kommt mir spontan das Shooting mit Goldi in den Sinn, das Ende Februar 2013 stattgefunden hat. Wir hatten uns für den Nachmittag verabredet um ein Street-Rail auseinander zu nehmen. Da es damals so warm war, dass kein Schnee mehr lag, luden wir ca. 15 mal Schnee in unser Auto um das Rail überhaupt fahrbar zu machen. Dann nach weiteren 15 Anläufen von Goldi war der Shot im Kasten. Das Licht sicher nicht ideal, das Erlebnis und alles drum herum aber sicher etwas was mir in guter Erinnerung blieb.

Thomas Coldebella aus Light and Twi-Bite (TSP)
Was nervt dich am Photografieren? Kann ja wohl nicht immer alles gut sein oder?

Phuu, ja sicher wenn man etwas mit einem Fahrer abgemacht hat und der dies dann nicht einhält. Also wenn ich sehe jetzt gäbe es ein gutes Bild, der Fahrer gerade jetzt aber keinen Bock hat (nicht zu klären blieb für uns, ob der Fahrer dann ein Schaf hatte). Das kann dann schon nerven, denn nicht selten schleppe ich viel Material an den Berg, was sich dann nicht immer lohnt. Drop-Ins ohne Absprache gehören ebenfalls in diese Kategorie.

In diesem Jahr hast du neu dein TSP Snow Project lanciert. Erzähl uns was es ist und wieso du denkst damit die Welt zu bereichern?

Eigentlich begann es schon in der letzten Saison. Schon da war ich mit vielen talentierten Jungs am Berg, von denen ich dann Photos hatte, wovon ich mehr haben wollte. Entscheidend war auch, dass ich mit Jungs etwas machen wollte, die verfügbar waren und nicht zu versuchen Leute zu erwischen die eh schon auf der ganzen Welt unterwegs sind. Dies hat dann in dieser Saison dazu geführt, dass wir vieles schon lange vorher geplant hatten, und nicht mehr so schnell, schnell irgendwohin gingen um ein paar Bilder zu machen. Auch bin ich in diesem Jahr mit einigen Fahrern alleine an den Berg gegangen, weil die Wahrscheinlichkeit so einfach grösser ist, dass seriös ein Ziel verfolgt wird und ich mit einem Shot nach Hause gehe, als wenn man mit einer grossen Gruppe am Berg ist. Das ganze Projekt ist dann zusätzlich auch auf die Zentralschweiz ausgerichtet, aber schneebedingt natürlich nicht ausschliesslich.

Ich weiss nicht ob ich die Welt damit bereichere, sicher ist aber, dass ich den Spass vermitteln will, den es bringt mit Freuden einen Tag am Berg zu verbringen. Wenn ich durch meine Bilder jemanden dazu bringe selbiges zu tun, dann freut mich das. Es ist aber nicht nur ein Projekt für andere, sondern auch für mich selber. Ich möchte mich weiterentwickeln und ein besserer Photograph zu werden, dabei spielt Planung eine immer grössere Rolle.

Was können wir in Zukunft von dir erwarten, was wir nicht eh schon wissen?

Ich werde in Zukunft meine Tätigkeiten auf den Film ausweiten. Konkret heisst das mehr mit Mera Digital Cinema zusammen zu arbeiten. Photo und Film haben für mich schon immer zusammengehört und deshalb will ich künftig beides kombinieren.

Welche deiner Homies möchtest du grüssen oder was sind deine abschliessenden Worte?

Ich grüsse Samuel Amstutz und Thomas Coldebella, mit denen ich hoffentlich auch künftig gute Shootings haben werde. Dann möchte ich auch Gian Paul Lozza für das Coaching in Laax danken, wobei ich hoffe, dass das nicht unser letztes Treffen war. Ich danke auch der Light and Byte AG für die einzigartige Unterstützung, wenn ich meine Ausbildung nicht bei ihnen gemacht hätte, wäre ich phototechnisch noch nicht so weit wie ich jetzt bin. Sie unterstützen mich echt super. Danke für das Interview.

Tino himself (TSP)
Zur Person

Tino Scherer auch als TSP bekannt, Homopage hier.

Gian Simmen (Perspectives/LAAX/TSP)
Eric Son (TSP)
Faceshot from Daniel Bieri (TSP)
Lukas Gisler (Langis/TSP)
Samuel Amstutz (TSP)
Max Wettstein (TSP)
Kaspar immerno mit Hösli (Perspectives/LAAX/TSP)
VERÖFFENTLICHT 10.04.2014
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