Head-Shaper Marcel Brünisholz aus Zermatt im Interview

Letzten Sommer startete Marcel Brünisholz mit seiner Arbeit als Head-Shaper im Snowpark Zermatt. Seit diesem Sommer ist er auch Hauptverantwortlicher für eine Crew bestehend aus sechs Shaper.

Fotos und Interview: Dominic Steinmann/ShredPlanet

Shaper bei der Arbeit nach einem erfolgreichen Eröffungs-Weekend.
Snowboarden und Skifahren im Sommer? Dies scheint unglaublich für viele von uns, aber es gehört zur täglichen Arbeit der sechs Snowpark Shaper in Zermatt.

Snowpark Shaper sind diese Typen, welche Kicker bauen, die Halfpipe präparieren sowie Rails und Boxen positionieren. Kein einfacher Job, wenn man auf 3’500 m.ü.M. auf einem Gletscher arbeitet. Der Weg zur Arbeit, von 1’620 Höhenmeter im grünen Tal Zermatt hinauf in den weissen Schnee, dauert eine Stunde mit der Gondel. Die dünne Luft macht die körperlich harte Arbeit auch nicht einfacher und beim Riden wird man schneller müde. Andere geniessen den Sommer am Strand. Doch das sonnige Wetter lässt sich genauso in den Bergen geniessen.

Das Windenseil traf mich an der Schulter und schleuderte mich 4-5 Meter durch die Luft."— Marcel Brünisholz

Marcel Brünisholz ist seit letztem Sommer Head-Shaper und seit diesem Jahr auch Hauptverantwortlicher für eine Crew bestehend aus sechs Shaper. Wir haben Marcel getroffen und uns mit ihm über die Arbeit, Freizeit und die Veränderungen im Snowpark Zermatt unterhalten. Die Fotos stammen von letztem Sommer, als Marcel neu als Head-Shaper startete.

Marcel Brünisholz, Head-Shaper
Sandy, die einzige Shaperin.

Marcel, du warst zuvor Bürogummi bei der Schweizerischen Post. Nun arbeitest du auf 3'500 Höhenmeter auf dem Theodul-Gletscher. Zeigen sich da Entzugserscheinungen von der Büroarbeit?
Nein, überhaupt nicht! Ich liebe es in der Natur zu sein. Könnte mir nichts anderes mehr vorstellen!

War der Jobwechsel eine grosse Umstellung für dich?
Ja, am Anfang auf jeden Fall. Da es doch ein grosser Unterschied war von der Stadt auf über 3'500 Metern zu wechseln. Man gewöhnt sich aber sehr schnell an die Höhe. 1-2 Wochen und man ist im Flow.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag als Shaper aus?
06:00 Uhr: Wecker. Nach einem guten Frühstück und einem guten Edit geht es Richtung Talstation. 07:00 Uhr: Abfahrt! 08:00 Uhr: Im Park angekommen werden alle Absperrungen und Markierungen aufgestellt. Darauf wird der komplette Snowpark kontrolliert und geshaped. 10:30 Uhr: Gibt es wie bei einem normalen Arbeitstag mit normalen Bedingungen einen Kaffee in der Testa-Hütte in Italien oder man hat ein paar Freistunden welche man zum Shredden nutzen kann. 12:00 Uhr: Hiess es im Sommer (speziell Juli/August) Reshape Nummer 2. 13:30 Uhr: Wird dann der komplette Park mit 5 bis 6 Shapern für den nächsten Tag vorbereitet. Dies ist meist ein Aufwand von 3-5 Stunden. 17:15 Uhr: Füürabe!

Reto Kestenholz beim shapen eines Kickers. Im Hintergrund das Matterhorn.
Reto Kestenholz, Shaper und Snowboard-Legende.

Nachdem Reto Kestenholz während 12 Jahren Head-Shaper im Sommerpark Zermatt war, hast du seinen Posten diesen Sommer übernommen. Bisher hat sich der Park, das Shaper-Team und auch die Zusammenarbeit mit den Zermatt Bergbahnen AG verändert. Wieso?
Die Bergbahnen wollten einen Neustart aus diversen Gründen. Sie wollten eine Integrierung in die ZBAG, damit die interne Kommunikation und die Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche besser funktioniert. Da sich der Sport (unser Hobby) in den letzten 10 Jahren enorm verändert hat, musste man sich den Bedingungen anpassen. Das heisst entweder dem Headshaper freie Fahrt ermöglichen mit Budget, Bullyfahrer, Marketing Kapazitäten etc. oder die verschiedenen Aufgaben den bereits bestehenden Abteilungen der Firma zuordnen. Die ZBAG hat sich für den zweiten Weg entschieden und so wurde die Abteilung Hand-Shaper offiziell in die Firma integriert. Ob dies der richtige Weg ist, wird sich noch zeigen. Was ich aber damit sagen möchte ist, dass der Headshaper nicht so viel Einfluss hat wie viele glaube. Wir versuchen lediglich aus den bestehenden Gegebenheiten und Umständen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Reto ist und war mein Mentor!"— Marcel Brünisholz

Was macht deine Aufgabe spannend?
Schwierig in Worte zu fassen. Eine Herausforderung ist sicher die Kommunikation und Vermittlung einer zeitgemässen und professionellen Snowpark-Führung an die Bereiche der Firma. Da ich der Überzeugung bin, dass Zermatt enormes Potenzial hat um weltweit zu der Spitze zu gehören, ist es nicht immer einfach die nötige Unterstützung zu erreichen, um dies auch umsetzten zu können. Aufgeben ist hier jedoch keine Option! Zermatt wird in Zukunft hoffentlich kontinuierlich weiter wachsen. Es ist die Leidenschaft welche uns antreibt.

Marcel auf dem Double-Rail. Die Kollegen beim BBQ im Hintergrund schauen zu.

Reto Kestenholz hat immer die Freundschaft und den Zusammenhalt unter den Shaper als die grösste Motivation für die harten Arbeit empfunden. Siehst du das auch heute noch so?
Reto ist und war mein Mentor! Das sollte die Frage beantworten. Freundschaft ist das wichtigste in unserem Team.

Welches ist dein unvergesslichstes Erlebnis bei der Arbeit im Park? Einen Zwischenfall mit einem Windenfahrzeug. Das Windenseil traf mich an der Schulter und schleuderte mich 4-5 Meter durch die Luft.

Die Shaper-Crew verbringt den 1. August auf dem Gletscher mit einem Höhenfeuer, Cervelat und Bier.
Chris, Snowpark-Shaper.

Neben der Arbeit teilen sich die Shaper auch eine kleine Wohnung in Zermatt. Ihr müsst euch also fast 24 Stunden pro Tag ertragen. Wie oft fliegen da die «Fetzen»?
Den ganzen Tag! Not.

Als Tradition verbringen die Shaper den 1. August im Park auf dem Theodul-Gletscher und übernachten entweder auf der italienischen Seite in der Testa-Hütte oder die ganz Harten verbringen die Nacht im Schlafsack auf dem Gletscher. Wird diese Tradition beibehalten?
Auf jeden Fall.

Tom, Snowpark-Shaper mit seinem Hund Teddy. Teddy folgt ihm überall hin, hat sich an Schnee gewohnt und schläft normalerweise auf Tom's Bauch.

Tom, der Shaper mit dem kleinen Hündchen «Teddy», nahm eines Tages seine Tätowierpistole mit auf den Gletscher. Er hat nicht nur seinen gesamten linken Arm selbst tätowiert, sondern auch seinen Shaper-Kollegen ein Tattoo gestochen. Was hast du dir von Tom stechen lassen?
Einen kleinen Diamant mit der Inschrift: «R.I.P. Binz». (Anmerkung der Redaktion: ein ehemaliges Wohnquartier von Tom in Zürich).

Was unterscheidet der Sommerpark zum Winterpark?
Im Sommer findet man Fortgeschrittene, einige hochkarätige Camps, viele Pros und Friends im Park. Im Winter hingegen ist ein völlig anderes Publikum da: Von Anfänger, Tagestouristen, Skischulen und vor allem Freeridern wird der Park anders genutzt.

Was wünschst du dir für die Zukunft des Snowparks Zermatt?
Ich möchte mich da nicht zu fest aus dem Fenster lehnen aber es wäre schön wenn wir die gefragteste Freestyle Destination der Welt werden (grinst).

VERÖFFENTLICHT 02.10.2014
SHARE ME…

Kommentare (00)

Bisher sind noch keine Kommentare verfasst worden.

Was denkst du?

Weitere Beiträge