«Ich brauche jedenfalls keine Motivation im Sandkasten zu spielen!»

Wir fühlen den Parkshapern vom Snowpark Arosa-Lenzerheide auf den Zahn!
Foto: Urban Engel Perspektiva

Nach dem Start aus Davos setzten wir unsere Serie «Park Talk» heute mit Carlo und Ralf aus dem Snowpark Arosa Lenzerheide fort.

Wie sieht der Prozess vom «Nichts» zum fertigen Park im groben aus?
In einem ersten Schritt wird mit der Pistenmaschine das Park Areal nivelliert. Diverse Bachläufe und Unebenheiten müssen aufgefüllt werden. Da Naturschnee mit viel Luftraum gefüllt ist, muss dieser zuerst angedrückt, und die Luft ausgepresst werden. Dadurch verringert sich die optische Neuschneemenge um ein Vielfaches. Falls der Naturschnee ausbleibt, sind wir auf die Produktion von technischem Schnee angewiesen. Hierfür müssen neben der Lufttemperatur noch viele weitere Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Wind, zugeführte Wassertemperatur, Bodenbeschaffenheit und Art der Schneekanone berücksichtigt werden. Sobald das Trasse steht, werden die ersten Elemente eingebaut und der Snowpark wird laufend erweitert.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der Parkplanung?
Das Wetter ist nicht über mehr als eine Woche vorhersehbar. Daher müssen wir jeweils sehr flexibel reagieren, was die Arbeitsplanung erschwert. In diesem Jahr konnten wir aufgrund des ausbleibenden Schneefalls und den warmen Temperaturen erst Anfang Januar mit dem Aufbau beginnen.

Was für Regeln müssen da beachtet werden?
Die Schwierigkeit liegt darin einen Flow durch die Lines zu kreieren. Der Speed der Fahrer muss optimal stimmen, dabei hat die Sicherheit der Fahrer erste Priorität. Bei Features die dem Speed nicht angepasst sind, gibt es ein erhöhtes Unfallrisiko. Wichtig ist für uns ebenfalls, dass die einzelnen Snowpark Elemente von verschiedenen Richtungen angefahren werden können und wir so bei den Ridern die Kreativität der eigenen Line-Gestaltung fördern.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Bergbahnen? Gibt es da oft Konflikte?
Bei der Planung müssen verschiedene Interessen berücksichtigt werden. Jeder versucht seine eigenen Interessen stärker zu berücksichtigen, da kommt es automatisch zu Meinungsverschiedenheiten. Es handelt sich jedoch eher um einen angeregten Informationsaustausch als um Konflikte. Dadurch wird auch das Verständnis für die Belange aus anderen Bereichen der Bergbahnen erhöht.

Carlo Rusterholz (Shaper Snowpark Arosa)

Wie lasst ihr euch inspirieren?
Ich arbeite im Sommer auf der Südhalbkugel in verschiedenen Schneesportgebieten. So bekomme ich auch laufend verschiedene Snowparks zu Gesicht und es entstehen neue Kontakte. Ich unterhalte mich laufend mit verschieden Park Shapern auf der ganzen Welt, so reifen viele coole Ideen an. Die Social Media Kanäle unterstützen diesen Austausch wesentlich.

Was ist eure Motivation jede Saison den Snowpark zu gestalten und zu bauen?
Gegenfrage: Hast du eine Motivation gebraucht als du im Sandkasten gespielt hast? Ich jedenfalls nicht.... (lacht) Für mich ist das Parkbauen ein riesen Hobby und den Schnee liebe ich sowieso über alles! Mit meiner Arbeit bereite ich den Snowpark Fans tagtäglich eine grosse Freude und genau das motiviert mich noch viel mehr zu tun. Zudem ist keine Saison gleich wie die vorangehende. Jeder Winter ist anders.

Ralf Heeb (Shaper Snowpark Lenzerheide)

Gibt es in der Schweiz allgemeine Regeln/ Bestimmungen die beim Erstellen eines Snowparks zwingend befolgt werden müssen?
Das BFU gibt einen Leitfaden für den Bau von Snowparks vor. Diese Regelungen müssen strikt befolgt werden. Verantwortlich für die Freigabe vom Snowpark Bereich ist letztendlich der Chef Pistenrettung und Sicherheit.

Haben sich in Bezug auf Schnee, finanzielle Unterstützung, etc. die Möglichkeiten in den letzten Jahren verändert?
Dank der Skigebietsverbindung Arosa Lenzerheide ist es möglich Synergien zu nutzen. Zum Beispiel können wir dank der Zusammenarbeit die Minipipe im Park’n’Pipe Tschuggen wieder bauen. Aufgrund der gemeinsamen Kommunikation kann zudem der Werbedruck wesentlich erhöht werden. Der Snowpark Bereich in Arosa befindet sich auf einer ehemaligen Piste, weshalb verschiedene Beschneinungs Schächte vorhanden sind. Für die Finanzierung vom Snowpark ist es gegenüber früheren Jahren wesentlich schwerer Sponsoring Gelder zu akquirieren.

Urs Hediger, Foto: Urban Engel Perspektiva

Wie weit kann man seiner Fantasie in der Gestaltung des Parks freien Lauf lassen?
Im Planungsvordergrund steht unser Parkpublikum. Unsere Park Areale richten sich an verschiedene Nutzergruppen. Bei der Gestaltung orientieren wir uns am vordefinierten Parkkonzept. Solange diese Vorgaben eingehalten werden und die Sicherheit berücksichtigt wird, können wir unserer Inspiration freien Lauf lassen, vorausgesetzt uns steht ausreichend Schnee zur Verfügung.

Wie sieht eure Arbeit mit den Sponsoren aus?
Für uns ist die Zusammenarbeit mit lokalen Sponsoren essentiell. Wir spüren innerhalb der Region einen starken Rückhalt für unser Snowpark Angebot. Dieses Netzwerk wollen wir in den kommenden Jahren noch weiter ausbauen. Die Wood Ranch in Arosa wurde mittels innovativem Crowd Funding finanziert und aus CO2 neutralem Arosa Holz gebaut. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an die zahlreichen Unterstützer, welche alle im Eingangsbereich verewigt wurden.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft eures Parkes? Irgendwelche Traum-Projekte?
Ein kleines Block Haus mit Dach als Slide Feature wäre mal cool. Den Parkbereich möchte ich laufend mit kreativen Obstacles erweitern und natürlich super mega viel Naturschnee.

Warum sollen die Leute euren Snowpark shredden und gibt es sonst noch etwas, was du den Lesern mitteilen möchtest?
In Arosa Lenzerheide haben wir eine sehr entspannte Atmosphäre unter den Riders! Bei uns gibt es kein Show-Off, denn das gemeinsame Shredden steht im Vordergrund. Ist all about Fun, Fun und nochmals Fun! Eins möchte ich euch noch mitgeben, egal ob ihr nach Arosa Lenzerheide kommt oder in einem anderen Park shredden geht, bitte behandelt die Natur mit Respekt und nehmt euren eigenen Abfall mit nach Hause. Sonst müssen die Shaper den Abfall entsorgen, und auf das haben wir keinen Bock.

VERÖFFENTLICHT 17.02.2015
SHARE ME…

Kommentare (00)

Bisher sind noch keine Kommentare verfasst worden.

Weitere Beiträge