FIS Weltcup Corvatsch – Flugwetter

Camilla Berra hält die Fahne für die Schweizer hock.

Könnt ihr euch noch an den letztjährigen FIS Weltcup erinnern? Sketchy Kicker, exzessiver Kreuzband verschleiss und unglückliche Fahrer? Diese Zeiten sind definitiv vorbei.

Das Corvatsch-Team zauberte (zusammen mit der Schneestern-Crew) einen Park auf die Piste, der Judges, Fahrer und Zuschauer ein Kribbeln im Bauch entlockte. Zwei perfekte Kicker, eine Combo aus Kicker/Quarterpipe mit verschiedenen Rail-Optionen (siehe Video/Bilder) boten eine richtige Freeski-Spielwiese. Auch Headjudge Steele Spence lobte den Kurs als „One of the funnest courses we’ve seen this winter“.

Park

Mit zwei langen Trainingstagen am Mittwoch und Donnerstag bei perfektem Wetter konnte sich so auch kein Fahrer beklagen, nicht genügend Laps auf dem Kurs absolviert zu haben. Andri Ragettli fabrizierte so einige „oohs“ mit seinem switch nose-butter dub 12 auf dem zweiten Kicker und Fabian Bösch stompte einen Switch dub Mysti 12 nach dem Anderen. Bis zum letzten Run bei dem er seinen Ski einfach zu fest tweakte und diesen in „Mid-Air“ von seiner Bindung zog. Der Aufprall war heftig. Der Griff ans Knie verhiess nichts Gutes. Von den MRI Resultaten haben wir noch nichts gehört, aber Swiss-Freeski Trainier Misra erwähnte Probleme mit dem Innenband. Für Fabian war somit der Wettkampf (und wohl auch die Saison) zu Ende. Auch die anderen Schweizer hatten nicht viel Glück. Luca Schuler klagte nach weiten Sprüngen über Rückenprobleme und musste die Quali ebenfalls absagen und Elias Ambühl zog sich (es wird gemunkelt beim Fussballspielen) eine Verletzung zu und reiste nicht ins Engadin. Kai bailte ganz unglücklich auf dem Stairset, das er isi-pisi sliden wollte. So standen von den Schweizer Top-Favoriten nur Andri und Jonas auf der Startliste. Somit war der Weg offen für einige Schweizer Jung-Guns Weltcup-Punkte zu sammeln.

Till Punktete am Finale

In der Qualifikation am Freitag (auch wieder bei grandiosem Wetter) konnte man einige perfekte Runs bestaunen. Die Fahrer zeigten auf dem Kurs ihr volles Potential. So wie es ein soll. Andri rockte die Qualifikation mit Right und Left Dubs sowie einem Nosebutter dub 10 auf dem zweiten Sprung. Nur Weltcup Leader Jesper Tjader, Robbie Franco und Oscar Wester kamen in die Nähe von Mister „Energy Milk“-Man. Mit der höchsten Punktzahl des Tages durfte sich Andri beruhigt einen Chai-Latte gönnen. Auch Jonas Hunziker überzeugte mit technisch hochstehenden Tricks und einem einzigartigen 3-tap-to-3 auf dem Up-Rail. Ebenfalls überstanden Till Matti und Sampo Vallotton die Quali und durften sich über den Finalplatz freuen.

Bei den Damen war das Fahrerfeld etwas kleiner. Gerade mal elf Teilnehmerinnen hatten sich angemeldet, wobei acht weiter zum Finale avancierten. Das Teilnehmerfeld reduzierte sich kurz vor dem Start auf zehn Fahrerinnen, da Giulia Tanno in einem Trainingslauf in der Pipe auf dem Nuckle landete und unglücklich auf ihren Rücken crashte. Sie musste mit der Rega vom Gelände geflogen werden. Hoffentlich ist sie wohlauf und wir wünschen der verletzungsgebeutelten Giulia gute Besserung (sowie dem ganzen Team natürlich).

Die beiden Damen die nicht zum Finale antreten konnten waren leider beides Schweizerinnen. Alexandra Nicole und Tanja Gmür stürzten bei ihren Runs. Immerhin verabschiedete sich Alexandra mit dem spektakulärstem Sturz des Tages. Auf dem Elbow-Rail und ihrem back2out erwischte sie das „Elbow“ und backflippte quasi von der Stange. Hardcore. Replay erwünscht, wer eines findet.

Am Abend des Qualitages fand noch ein kleiner aber feiner Night-Jib statt. Ein Kicker, dub Kinck-Rail, Straight Rail, Tube, Up-Rail, feuerspeiende Drachen, Disco-Light, flippiger Speaker und eines der besten Rail-Formate ever: Trick for Cash. Speaker sagt einen Trick an und der Erste der den Trick landet nimmt sich einen 10 CHF Schein. Alles vor der Kulisse von Apréski-Party-Bar und nachtskifahrenden Touristen. Dave Ortlieb sagte so schön: „Hey das isch wiä früäner, so sache mösst eifach meh geh“. True Story. Zwar waren nicht viele Athleten mit dabei, dafür gab es für die jibbenden Judges Bares. Wer am nächsten Tag nicht fürs Finale antreten musste, konnte seinen Cash auch ganz gut in der Hossa-Bar mit hohem Zinssatz (in Prozent) anlegen. Der absolute über Rocker des Trick-to-Cash Comps war Jesper Tjader, der Dub-Backflips, Dub Frontflips, Transfers, eigentlich alles auf dem kleinen Jib-Kurs schmiss was möglich war. Jesper und Till Matti waren auch die einzigen anwesenden Finalteilnehmer und liessen es so richtig krachen. Good Times. Good Times.

Der Finaltag startete mit trüben aussichten. Während der Gondelfahrt war man in dichten Nebel gehüllt. Doch der Park schien auf der richtigen Höhe zu liegen und gute Sicht im Park erfreute die Athleten. Das grosse Huddelwetter war für später angesagt und so konnte der erste Run des Finals sauber durchgeführt werden. Sampo musste leider schon im ersten Run Forfait geben, da er sich – so schien es – im Training am Knie verletzte. Er zeigte noch einen Straight-Air Run aber zu seinem zweiten Lauf konnte er nicht mehr antreten. Oscar Wester stompte einen der heftigsten Kicker-Runs des Tages, doch bailte auf dem allerletzten Rail. Ein kleiner Verkannter mit grossen Folgen. Auch Andri zeigte in seinem Run extreme Kicker-Action aber mit zu vielen Unsicherheiten auf den Rails. Jonas und Till zeigten solide Runs, die von der Schwierigkeit her jedoch nicht an die Top-Läufe herankamen. Andri (und Robbie Franco) waren die eigentlichen Pechvögel des Tages. Als Qualisieger mussten die beiden als Letzte antreten und genau zu Robbies Lauf zogen starke Böen und Nebel auf. Die Böen machten einen anständige Abschätzung des Speeds praktisch unmöglich. Sowohl Robbie als auch Andri erwischten einen heftigen Windstoss und überschossen den Kicker massiv. Beide konnten den ersten Sprung in ihrem zweiten Lauf nicht stehen. Wirklich schade, denn es wäre ein Podestplatz für Andri in greifbarer Nähe gewesen.

Jesper Tjader war der verdiente Sieger des Tages und Dominator über die ganze Woche. Er stickte die meisten Runs, hatte den grössten Spass und war kaum von seinen Skis zu trennen. Neben seinem Sieg gewinnt er auch die grosse Kristallkugel im Slopestyle. Auf den zweiten Platz kommt Noah Wallace (USA) und auf dem Dritten platzierte sich Christian Nummedal (NOR).

Bei den Damen gewinnt die Weltcup Gesamtleaderin Lisa Zimmermann. Zwar zeigt sie keinen Double aber ihr No-Pole Run ist so technisch wie keiner der Frauen. Emma Dahlstrom ergattert sich den zweiten Platz. Camilla Berra hält für die Schweizer die Fahne hoch und holt sich mit einem switch 5 mute, Mysty 7, straight rail, tab auf der canon box, up rail und down rail, ganz knapp vor Zuzana Stromkova den dritten Platz.

All in all, war der Weltcup ein wirklich gelungener Anlass. Von Trashy-Fun Rail Contest wie in den good-old-times hin zu Freeski-Action auf höchstem Niveau. Der Park war einer der Besten und Party-Action in der Trinkhalle St.Moritz versprach auch hier das Non-Plus Ultra. Der Corvatsch hat sich im letzten Jahr zu einer Freestyle Grösse entwickelt. Es macht richtig Spass dort. Wir müssen öfters hin.

VERÖFFENTLICHT 24.03.2014
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