D.I.Y. Sk8parks vs. "Big Business"

Im Kanton Bern geht skate-technisch einiges. Innerhalb von einem Jahr wurden drei sehr unterschiedliche Concrete-Projekte realisiert. Welche Herangehensweise soll bei neuen Vorhaben angepeilt werden?
Stylemaster Alex Meissner mit einem mutigen FS Smith über dem Deep End am Opening in Thun. Foto: Pascal Isler

Skatepark Steffisburg / Thun


Gut Ding will Weile haben. Ähnlich wie bei den Kollegen von Sk8.Be hat das «Tor zum Berner Oberland» mehr als 10 Jahre gebraucht, bis man mit der Politik einen gemeinsamen Weg gefunden und die Finanzierung nach sehr zähem Ringen erreicht hat.
Auch heute noch, gut ein Vierteljahr nach dem offiziellen Opening, klafft immer noch ein fieses Loch in der Vereinskasse – Defizite werden zwangsweise von Privaten getragen; und da ja nun der Park steht, sieht kaum jemand ein, warum noch Geld nötig wäre, um die schmutzige Situation zu entschärfen...
Die Anlage wird natürlich rege genutzt, doch es sind leider lange nicht alle bereit, welche sich dort gratis vergnügen, die finanzielle Schieflage korrigieren zu helfen, was sehr deprimierend sein kann für die Drahtzieher, welche jetzt nicht hängen gelassen werden dürften.

Sehr positiv war aber auch hier das Engagement von lokalen Skatern in der Planungs- und Bauphase, welche Pläne verfeinert, nach ihrem Gusto optimiert und die Konstruktion begleitet haben. Ohne sie wären gewisse Features nicht so lässig geworden, dank Disu Gartwyl und Co. konnte ein Park mit flowigen Lines eröffnet und gefeiert werden!

Flüssiges Gold als Lohn für freiwillige Einsätze im Bernside D.I.Y. Projekt – die zahlreichen leeren Bierdosen sind fester Bestandteil der Armierung. Foto: Fabio Stoll

Bernside Bowl beim Gaskessel Bern


Nicht nur die Rekordzeit zwischen Planung und Opening, auch das Budget – easy im Crowdfunding gesammelt –, verglichen mit den «Grossen» im einstelligen Prozentbereich, wirft da ein ganz anderes Licht auf das wunderbare D.I.Y. Projekt an der Aare unten. Mit angenehmer Distanz zum Verkehrslärm der Hauptstadt – und doch easy erreichbar vom Zentrum her – wird hier seit bald einem Monat geskated nach grossartiger Eröffnungssause. Vis-à-vis des Kulturzentrums Gaskessel wurde den ganzen Sommer über fleissig gearbeitet:
Ein wild zusammengewürfelter Haufen Skater und weitere freiwillige HelferInnen haben im Bereich ihrer Möglichkeiten versucht Hand anzulegen, so gut's geht. Nur wenige haben bereits Erfahrung mitgebracht und so viele vieles gelernt.

Ob Aktiv-Sommerferien, «grad-kein'-Job» oder Engagement am Feierabend; egal wie jemand Zeit investieren mochte und konnte, alle waren willkommen, wurden herzlich in die Community aufgenommen und irgendwie/ -wo eingespannt.
Wirklich ein sehr eindrückliches Erlebnis bei dieser Form von Skateparkentstehung mitwirken zu können und faszinierend, dass und wie gut es funktioniert! Natürlich waren die lokalen Federführenden Claude Christen, Raffael «Grufe» Niklaus und weitere Ansprechspersonen unendlich dankbar und froh um die Hilfe von erfahrenen D.I.Y.-lern wie Oli Bürgin und Co. (Portland Basel etc.), der September Crüe (Beast, Tsüri) oder einzelnen – für's Betonieren – Vielgereisten, wie Damian Gilgen aus dem Berner Oberland.

Doch auch persönliche Meinungen und spontane Vorschläge von Laien durften einfliessen, was dem Ganzen eine unglaubliche Dynamik zu verleihen mochte.
Wenn man mal ein paar Tage nicht auf der Baustelle war, musste man immer wieder mit ungeplanten, tollen Überraschungen rechnen – entstanden ist schlussendlich eine kreative Betonlandschaft, welche die Erwartungen sämtlicher Beteiligten übertroffen hat.
Da steht nun plötzlich noch eine extra Concrete-Mini neben dem eigentlichen Bowl und auf den Plattformen laden diverse Obstacles zur Erweiterung der klassischen Transition-Lines ein; unglaublich, welche Qualität und Dimensionen der Spielplatz erreicht hat!

Der SK8 PRK BRN im Zentrum ist prädestiniert für Events. Foto: Sk8.be

Skate Park Bern - Sk8.be


Prädestiniert für spontane Sessions und grössere Anlässe übernimmt die sehr zentral gelegene Bowl auf der Schützenmatte nähe des Bahnhofs mittlerweile auch soziale Aufgaben. Organisierte Jugendförderung durch offizielle Zusammenarbeit mit der Stadt erleichtert auch (jungen) Menschen den Einstieg, welche sonst durch ihr Umfeld bedingt kaum Zugang finden würden zu der Kunst des Rollens.
Hut ab vor dem Engagement von Pablo Lobsang (ständig vor Ort) und seinen Homies, welche mit ihrer Vereinsarbeit – ebenfalls nach Budgetproblemen bei abgeschlossenem Bau (unerwarteten Mehrkosten) – nun erfolgreich daran arbeiten, langfristig günstige Voraussetzungen für die Szene und ihre Vorhaben zu schaffen.

Wenn man gewisse Sympathien bei Ämtern/ Gemeinden aufbauen und pflegen kann, so verbessern sich natürlich die Chancen, Bewilligungen für eine allfällige Erweiterung des Geländes/ Parks zu erhalten, was nicht unrealistisch scheint zur Zeit, respektive temporär bereits der Fall ist/ war.

Jugend- und Gesundheitsförderung können lukrativ sein, um einem Verein gewissen finanziellen Spielraum zu verschaffen und eben auch Respekt von der Gesellschaft oder gar die wohlverdiente Würdigung für Freiwilligenarbeit zu erhalten.

Der Weg war auch für dieses Projekt sehr steinig und wurde nur dank unermesslichem Durchhaltewillen von Einzelpersonen erreicht, doch wären wohl die meisten grösseren, von Firmen geplanten und gebauten, Parks ohne solche Idealisten nicht umgesetzt worden.

Pros and Cons

Wenn du in deiner Gegend 'was erreichen willst, dann versuche genau abzuwägen, in welche Richtung du mit deinen Voraussetzungen gehen willst.

Professionell geplante und von etablierten Firmen gebaute Skateparks

Pro:

  • Du brauchst kein Vorwissen, es können sich auch Kids/ Eltern mit wenig Erfahrung engagieren und zu einem netten Park kommen, der funktionieren sollte (bei seriösen Anbietern mit Skatehintergrund).

  • Die Anlage wird geprüft der Öffentlichkeit übergeben und man kann die BetreiberInnen kaum irgendwie Verklagen bei allfälligen Unfällen oder so.

  • Man hat einen guten Stand bei möglichen Lärmklagen, wenn das Projekt von der lokalen Politik, vielleicht Jugendarbeit etc. abgesegnet und getragen wird.

  • Der grösste Teil wird in der Regel von der öffentlichen Hand finanziert, du musst selber kaum in die Tasche greifen.

Contra:

  • Das ganze ist schweineteuer und nur reiche Gemeinden können sich ohne langen Prozess einfach für eine Finanzierung – zum grossen Teil oder vollständig – durchringen.

  • Es braucht sehr viel Zeit und somit entsprechend Geduld, um in ordentlichen, politischen Prozessen vorwärts zu kommen.

  • Du kannst nur begrenzt deine Wünsche einbringen und verwirklichen bei der Gestaltung.

  • Zwielichtige Sponsoren können die evtl. noch wenig entwickelten Haltungen (junger) Menschen ungünstig beeinflussen.

Und oft verschwimmen da die Grenzen zwischen Pro und D.I.Y. – wenn (ehemalige) Profiskater zum wiederholten Male selbst Hand anlegen... Oli, Grufe und Freunde werden vom Betonmischer und ihren eigenen Ansprüchen auf Trab gehalten. Foto: Fabio Stoll

Do it yourself – pack die Sache gleich selber an!

Pro:

  • Du kannst dir dein eigenes Traumland erschaffen, das für dich und deine Gang maximalen Spass bringt und sonst von niemandem cool gefunden werden muss.

  • Dein Park kann in relativ kurzer Zeit entstehen – je nach Bewilligung etc.

  • Du brauchst nicht zwingend öffentliche Plätze, kannst auch in einem Garten ganz klein anfangen.

  • Du lernst auf jeden Fall Arbeitsschritte und neue Leute kennen – die lokale Szene wird massiv zusammengeschweisst und erweitert.

  • Das nötige Budget ist viel kleiner und kann je nach Support auch recht schnell zusammenkommen.

  • Du wirst dein Leben lang auf etwas Grossartiges, Selbsterschaffenes zurückblicken können und siehst vielleicht selbst kleine Mängel positiv als Herausforderung – das Skaten im eigenen Park fühlt sich grundsätzlich immer ein bisschen besser an.

Contra:

  • Du musst sehr viel Zeit investieren können und Ausdauer beweisen bei unerwarteten Hindernissen und Wendungen.

  • Vielleicht zahlst du einiges aus deinem eigenen Portemonee oder bist auch da auf gutmütige SpenderInnen angewiesen.

  • Die Arbeit ist hart, dreckig und nicht einfach – wer nicht selbst per Zufall vom Fach ist braucht Kollegen, die sich für dein Projekt den Arsch aufreissen.

Plötzlich wird da noch – wenn man längst geglaubt hat, das Teil sei nun definitiv schmuck genug – noch wieder weiter geparkettet... Ihr Wahnsinnigen! Unglaublich, wie viel Herzblut und Liebe zum Detail in D.I.Y. Projekte fliessen kann.

Fazit

Es gibt immer mehr Skateparks und es können nie genug sein.
Grundsätzlich ist scheissegal, wie und wo neue berollbare Features entstehen...
Zeigt eure Dankbarkeit gegenüber den jeweiligen Verantwortlichen – es braucht immer Maniacs, die bereit sind, einen fetten Teil ihrer Freizeit/ ihres Lebens einem Projekt zu widmen. Also fragt mal freundlich, wem ihr ein Bier anbieten dürft, bevor ihr einen neuen Spot dropt!
Oft ist es aber eben auch nicht getan, wenn eine Anlage steht und zum tricksen, cruisen, geniessen einlädt:
Erkundigt euch auch gelegentlich, wo ihr euch nützlich machen könnt, vielleicht nimmt man – aus gewisser Selbstverständlichkeit heraus – einen Besen in die Hand, packt mal bei der Abfallentsorgung an oder lässt wenigstens nicht noch seinen eigenen Shit liegen.

Und wenn du beim Spot in deiner Nähe nicht irgendwie mitgewirkt hast, dann zeige dich bei Gelegenheit an einem andern Ort erkenntlich und biete deine Hilfe an.
Aktuell zum Beispiel bei Jérémy Durand, welcher den französischen Sprachraum in Bern repräsentiert, dort angepackt und nun auch motivierte neue Freunde für sein eigenes Ding gefunden hat; Herbstferien mal anders!

Mitglieder werben ist vielleicht gerade im Sk8biz eine schwierige Aufgabe, wo Kids oft mit gratis Goodies rechnen bei solchen Events. Doch Commitments einfordern von Familien und Stammgästen hat sicher seine Berechtigung – ein Versuch hier in Steffisburg.

«Good things take time» war schon beim Opening in Steffisburg (bei Thun) das Motto, wo T-Shirts mit entsprechendem Print zum Kauf angeboten worden sind. Mit dem Erwerb solcher Teile bekennst du dich nicht nur automatisch zur lokalen Szene und einer Kultur, die eben doch immer noch von Skatern für Skater gemacht und gelebt wird, sondern unterstützest auch finanziell Vereine, die sich nachhaltig für ein Angebot einsetzen, dass auch dir oder (zukünftigen) Gleichgesinnten wieder zugute kommt.

Gerade Thun und Umgebung wäre zur Zeit immer noch sehr auf Hilfe angewiesen – wer sich dort gelegentlich vergnügt oder auch einfach Solidarität zeigen will, kann gerne noch einen Mitgliederbeitrag oder eine einmalige Spende (für Kontoangaben auf Website dropen und runter scrollen) in der verschuldeten Vereinskasse klingen lassen – die Initianten wären sehr dankbar!

Übrigens gibt's dort noch ein kleines Herbstfest zu feiern, wo nebst Rollkünstlern auch weitere Artisten eingeladen sind:
Bei gutem Wetter wird vielleicht gemalt oder gar tätowiert und nebst Musik und Bier im sicheren Angebot soll's auch Suppe und Tee aus dem Feuertopf geben – passend zur Jahreszeit, wenn's vielleicht schon ein' Hoodie kühler sein wird.
Mehr Infos dazu bald hier.

Zum Schluss noch ein kurzes Vid vom besagten Opening – als Motivation für Skateboarding allgemein, überall und immer wieder.

Roll on.

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VERÖFFENTLICHT 25.09.2017
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