Christory Books 2014

Sochi 2014 - Das Slopestyle Finale im Rückblick
Finale

Nein es geht hier nicht um religiöse Inhalte, obwohl der Vergleich aufs Skifahren bezogen durchaus angebracht wäre. Joss Christensen ist erster Slopestyle Olympia-Sieger ever! Er gewinnt vor Gus, Hy Mom, Kenworthy und Nick Goepper. Also ein all American Podest, um ganz kurz auf den echt dominanten Auftritt der US und A Jungs hinzuweisen. Aber der Reihe nach.

all American Podium
Qualifikation aus CH Sicht

Das Warten hatte heute ein Ende. Etwas nach 7.00 Uhr unserer Zeit begann die Slopestyle Quali. Mit Fabian, Luca, Elias und Kai, durfte man aus Schweizer Sicht meiner Meinung nach zurecht einiges erwarten, denn die Jungs sind wirklich Weltklasse, jeder für sich. Trotzdem schaffte es keiner von ihnen ins Finale. Gründe dafür lassen sich bei jedem andere finden.

Luca Interview
Luca Schuler

Luca Schuler stürzte leider gleich zweimal beim gleichen Hindernis. Im Interview danach meinte er mehrmals, dass er doch recht nervös gewesen sei. Auch wenn ihm dies im Training nie passierte, hätte man doch sagen können, dass beim zweiten Run evt. eine andere Linienwahl den gewünschten Erfolg gebracht hätte. Hätte, würde und könnte verhalfen aber noch keinem zum Erfolg und so kann sich der 16-jährige Luca damit trösten, dass er an der nächsten Olympiade nicht nur 4 Jahre älter, sondern wohl auch 4 Jahre reifer, cleverer und abgebrühter sein dürfte. Wie das dann zu messen ist, überlegen wir uns bis dahin noch. Stolz darf er aber nur schon auf seine Teilnahme sein.

Zurecht verärgert?
Elias Ambühl

Elias hatte keinen schlechten, aber auch nicht wirklich einen aussergewöhnlich guten Run. Dass er sich über das Judging beschwert ist verständlich, in seinem Fall aber wohl nicht passend, da er doch hie und da kleine Unsauberkeiten zeigte. Ich werde dem Thema Judging dann wohl oder übel noch ein eigenes Kapitel widmen müssen. Auch Elias hat junges Potenzial, so dürfte es für ihn in 4 Jahren ebenfalls eine zweite Chance geben, wenn man so will.

Fabian Bösch

Fabian hatte meiner Meinung nach einen sehr guten Run. Kleiner Makel bleibt die Down-Box wo er etwas zu früh wieder Schnee unter den Skiern hatte. Was die Trickausführung, Weite und vor allem die Höhe seiner Sprünge angeht, da habe ich ihn um einiges weiter vorne gesehen als er letztlich dann wirklich landete. Nicht nur diese Bewertung wird wohl auf ewig Geheimnis der Judges bleiben. Für ihn gilt in Zukunft dasselbe wie für die beiden oben genannten.

sry, leider Printscreen nich verfügbar :/
Kai Mahler

Nun zu Kai. Ich kann es nicht verschweigen, Kai ist und bleibt ein Styler vor dem Herren. Joss könnte also sein Sohn sein, wenn man hier den roten Faden mit der biblischen Hierarchie wieder aufnehmen möchte. Für mich was den Style anbelangt klar die Nummer 1 des gesamten Feldes. Wie vieles ist das Geschmackssache und nicht selten kommt es auch drauf an, was für einen Fahrstil man präferiert. Es besteht also kein Bedarf diese persönliche Sichtweise zu kritisieren. Kai hatte einen sehr guten ersten Run, auch wenn die Rail-Sektion nicht an das absolute Top-Niveau einiger anderer Stangentänzer herankam. Trotzdem, seine Kickerperformance hätte eine Finalteilnahme bei weitem gerechtfertigt. Meine Vermutung ist, dass die Judges seinen Hardway verpasst haben, da sie ja angeblich ab Bildschirm judgen und so nach Kameraperspektive wohl nicht nur dieses Highlight des Tages verpasst haben. Auch hier wieder ein dickes Fragezeichen, was die Bewertung anbelangt. Auch der Vierte im Bunde ist in 4 Jahren, 4 Jahre älter was das allerdings bei solchen Judges bringen soll, ist hier schwierig zu sagen. Sicher ist aber, niemand hätte sich über eine Finalteilnahme von Kai beschweren können.

nicht unpassend, die Damen mögen es mir verzeihen
Judging Sochi

Ich bin mir bewusst, wie schwierig es Judges haben. Keine Zeitlupe, sofort ab Bildschirm entscheiden, ist bei dieser Leistungsdichte echt schwierig zu bewerkstelligen und allen kann man es sowieso nicht recht machen. Trotzdem, egal bei welcher Sportart, es ist immer schlecht, wenn man über die Schiedsrichter, Preisrichter oder wer auch immer was bewertet, diskutiert. **Besonders im Freestyle-Bereich scheint das Judging schwierig, weil keine Zeitmessung alle gleich behandelt, wie z.B. bei einem Skirennen. **Kurz gesagt objektive Bewertungen bleiben utopisch, „Wenn Menschen Menschen bewerten“ um es in den Worten von Elias Ambühl auszudrücken. Es wäre vermessen dies von den Judges zu fordern, denn es gibt schlicht und einfach keine Objektivität, was das -Meinschsein- anbelangt, um hier noch eine philosophische Note hineinzubringen. Was allerdings verlangt werden kann, ist ein Anwenden der gleichen Kriterien auf alle Fahrer in Quali und Finale. Eine gerade Linie im Judging müsste mindestens vom Head kommen und ansatzweise nachvollziehbare Urteile was die Punktevergabe anbelangt, auch dafür müsste er garantieren. Ich wiederhole mich nur ungerne, aber nur ansatzweise hätte mich schon ansatzweise zufrieden gestellt. So muss ich sagen, bin ich enttäuscht von den Judges, nicht nur im Ski-Slopestyle.

Snowboard Comp.

Das Judgedesaster hatte schon beim Snowboard Slopestyle seinen Anfang genommen. In der Quali noch die Tech-Tricks gehypt, im Finale dann plötzlich die Kreativität in den Vordergrund stellen und dabei die Ausführung hinten anstellen. Klar lehne ich mich hier ein wenig aus dem Fenster. Ich weiss weder welche Marschrichtung die Judges den Fahrern vor der Quali, noch vor dem Finale vorgaben. Trotzdem kann dieser Bewertungswechsel meiner Meinung nach auf diesem Niveau nicht sein, und wurde wahrscheinlich auch überhaupt nicht kommuniziert, wenn man sich die erstaunten Reaktionen der Fahrer anschaut die in der Quali noch die höchsten Punktzahlen kassierten, im Finale dann für einen sehr vergleichbaren Run, weniger Punkte erhielten. Es geht hier nicht darum, ob man mehr auf Style oder Tech Judgen sollte, sondern darum was den Fahrern kommuniziert wird, auf was dass die Judges besonders achten.

Dann noch die Tatsache, dass Kotsenburg, sry, der heisst echt so, zweimal die Hand im Schnee hatte, finde ich einem Olympia-Sieger unwürdig. Argumente wie er hatte kein Gewicht darauf, sind meiner Meinung nach super nichtig, denn Hand im Schnee zeugt schon davon, dass er sein Gleichgewicht nicht findet, mindestens was die Landungen anbelangt. Auch dass es zu seinem Style gehören soll, tief zu fahren, finde ich eher eine schlechte Ausrede als wirklich ein überzeugendes Argument. Ebenfalls seine Grabs, auch wenn willkommen kreativ, konnte er bei Weitem nicht so lange halten wie dies andere taten. Also für mich hat hier der Falsche gewonnen, rein was das Judging anbelangt.

Ski Comp.

Auch hier kann man diskutieren, ob der Richtige gewonnen hat. Wenn man den ersten Run von Goepper anschaut, dann gibt es meiner Meinung nach nicht das Geringste auszusetzten. Unabhängig davon ob man den Fahrer mag oder nicht, der Run war top. Weshalb er dafür nicht eine höhere Wertung bekommen hat, weiss auch hier wieder niemand. Auf dem Podest gelandet sind aber meiner Meinung nach sicher die drei Richtigen, auch wenn die Reihenfolge diskutabel bleiben dürfte.

Sicher aber in der Quali wurde daneben gejudget. Bestes Beispiel ist Henrik, der gerade noch so in den Final hineinrutschte, wohlgemerkt mit einem Handdrag, nicht aber an der Puppe sondern in der Landung. _Ob Gewicht drauf war oder nicht finde ich auch hier müssig zu diskutieren, denn Hände haben im Schnee auch bei den Skifahrern einfach nichts verloren. _

Die Diskussionen stehen offen, ich habe hier meine persönliche Meinung kundgetan, dass wohl nicht jeder Leser damit einverstanden sein wird, dessen bin ich mir bewusst. Für mich steht aber fest, nicht nur im Ski oder Snowboarden sondern egal bei welcher Sportart, dass die Athleten die Leidtragenden von Fehlbewertungen sind, die ich so nicht mehr hinnehmen möchte. Die Fahrer, Sportler trainieren wirklich hart und stecken viel Leidenschaft in das was sie tun. Dies alles nur um dann von einem Fehlentscheid gebremst zu werden, wofür sie nichts können. Ich glaube nicht nur im Freestyle-Bereich schreit man nicht nur auf höchstem Niveau nach besser ausgebildeten Bewertungsexperten. Dies möchte ich hier mal so stehen lassen, schade aber dass man den Judges eine Plattform geben muss, da es eigentlich nicht um sie gehen sollte.

Hype
Zurück zu den Protagonisten die den Namen auch verdient haben

Joss, Gus und Nik sind die verdienten Sieger und ich bin froh, dass einer der Tom Wally ausgeknockt hat, heute gleiches bei allen anderen schaffte. Ein würdiger Vertreter für den Freestyle Zirkus, denn Style war bei Joss sowas von an Board und das finde ich sehr super wichtig, auch wenn die Veranstaltung Olympiade heisst. Die Schweizer Trümpfe stachen leider nicht, verdient oder unverdient sei dahingestellt, wir dürfen uns sicher aber auf künftige Auftritte von allen sehr freuen, egal ob auf nationalem oder internationalem Terrain. Auch ein dickes Lob an alle anderen Teilnehmenden die der Welt mal gezeigt haben, was die Szene schon lange wusste, nämlich dass Freestyle Skifahren mächtig attraktiv ist und in Zukunft wohl noch mehr Aufmerksamkeit der Mainstream Medien generieren wird. Ob das im Sinne der Szene ist, wie Devin Logan in einer sehr sehenswerten Vice Doku ihre Meinung kundtut und Tanner Hall damit in den Rücken fällt, wird sich in naher oder ferner Zukunft wohl zeigen. Wenn ich mir anschaue, wie viele Roboter ich heute gesehen habe, dann finde ich persönlich, nicht gerade emotionslos, dass das generell nicht der Haupt-Weg sein darf, den das Freestyle Skifahren einschlagen sollte. Sicher aber kann das Wettkampffahren Teil unserer Sportart sein, wobei die Betonung deutlich auf Teil liegt.

Ein Text gespickt mit diskutablen Thesen und subjektiven Meinungen, die gerne diskutiert werden dürfen und können.

THEMA News / Events
TAGS Sochi
VERÖFFENTLICHT 13.02.2014
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Kommentare (02)

Anonym
Anonym
background
13.02.2014

Warum wird plötzlich ein Bericht über das Judging verfasst? Das Judging ist bei vielen mehreren Contests diskutabel. Viele Berichte über schlechtes Freeski Judging sind - im Vergleich zu den Snowboardern- nicht zu finden. Sochi Fieber oder ist unser Judging wirklich verbesserungswürdig? Wir Freeskier dürfen den grössten Kritikpunkt der Snowboarder nicht aufgreifen; bei uns sind keine FIS/IOC,... Judges im Container gewesen. Vielleicht ist es dadurch stiller? Oder ist es doch Akzeptanz, Ehrfurcht oder die fehlende Macht etwas zu ändern?

Sämtliche Freeski Judges werden seitens AFP auf ihre Szenen-Kenntnisse getestet. Erst bei genügenden Testergebnissen und Bestätigung bei Events, kommt man dann zu angemessenen Einsätzen. Wobei man durchaus sagen darf, dass die Ausnahme die Regel bestätigt. Wie auch immer, schlussendlich stehen die von AFP auserwählten Judges im Container.

Somit können wir davon ausgehen, dass die richtigen Jungs im Container sassen. Und es ist anzunehmen, dass diese auch ihr Bestes getan haben. Immerhin hatten sie massig Trainingstage zum Einjudgen, kannten wohl die besten Elemente in den Runs der Athleten bereits auswendig. Das auserwählte Panel ist +/- in der selben Konstellation, seit längerer Zeit bei den grossen Events dabei. AFP, -THE VOICE OF FREESKIING-, wie es auch auf ihrer Webseite heisst, hat bestimmt das Möglichste für den Sport und sämtliche Athleten getan. Ausserdem haben wir in diesen Sportarten eine grosse Anzahl Judges am Contest. Dies garantiert, dass möglichst viele Ansichten über die verschiedenen Kriterien preisgegeben werden. Ob diese diversen verschiedenen Ansichten wirklich in den Scores und Rankings wieder zu finden sind, ist beim momentanen Freeski Judging zu bezweifeln Immerhin wird jeder Run in der Gruppe gründlichst diskutiert und vor Score Eingabe bereits einrangiert. Gut möglich, dass "hierarchisch tiefer rangierte" Judges etwas weniger zu Worte kommen könnten. Dementsprechend ihre Ansichten über die Kriterien - gut ausgeführte Butters, die Länge der Grabs, ausgeführte Achse, Schwierigkeit der Grabs, Hand Drags, usw... - etwas im Ranking vernachlässigt werden.

Es ist zu hoffen, dass wirklich möglichst viele Stimmen der Freeski-Szene bei "the voice of freeskiing" auch berücksichtigt und möglichst gleichstark gewertet werden. Ansonsten kann man sich wohl an solche Berichte gewöhnen.

Ob das Judging am heutigen Tag nun gut oder schlecht war, ist wie nach vielen Contests umstritten,....

mojo105 (32) 13.02.2014

Gleicher Kommentar wie schon zur Quali nochmals:

Fand das Judging bei diesem Niveau eigentlich völlig OK, wenn alle gut springen, machen die Rails den Unterschied. Kais zweiter Run war da besser, bis zum Sturz, daher unglücklich. Vielleicht sollten die anderen drei Jungs mehr mit Sämi Ortlieb Skifahren gehen anstatt nur Aerial Tricks zu üben. Bei diesem Niveau brauchts bessere Grabs und viel mehr Kreativität. Luca und Fabian sind dazu noch sehr Jung da fehlt sicher auch viel Routine (Jonas Hunziker???), hoffen wir die hatten Spass auf dem doch geilen Kurs und vielleicht gibts ja dann in 4 Jahren wieder so eine Möglichkeit um so einen Goepper Run zu drüllen...

Zum Final: Fand Judging wiederum in Ordnung, Joss hat meiner Meinung zwei sehr technische Rails und den switch triple- kann also gewinnen- Goepper fährt wie im Videogame, aber eben die richtigen 3 auf dem Podium. Snowboard mässig kenne ich mich nicht so aus, fand aber auch da das Judging absolut in Ordnung, McMorris hatte schon in den Qualis kaum Punkte, das mit den Handdrags bin ich absolut anderer Meinung..und zu allerletzt ist es doch wie beim Fussball, gäbe es nichts zu diskutieren wäre es doch nur halb so spannend.


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